Kick it like Einstein: Nordkorea - Verordneter Atheismus und die Folgen
Während des zweiten Weltkrieges war Korea von japanischen Truppen besetzt. Die Alliierten vereinbarten, es nach der Niederlage der Achsenmächte aufzuteilen: Sowjetische Truppen besetzten 1945 koreanisches Gebiet nördlich des 38. Breitengrades, US-amerikanische Soldaten südlich davon. So begann ein monströses "Experiment": Wie würde sich je die atheistisch-kommunistische bzw. christlich-demokratische Weltanschauung auswirken?
Im Norden wurde eine kommunistische Einparteienherrschaft der "Demokratischen Volksrepublik Korea" etabliert, deren Führer Kim Il Sung sich mit den kommunistischen "Brudervölkern" der Sowjetunion und China verbündete. Im Süden fanden unter Aufsicht der UN dagegen 1948 Wahlen statt - Südkorea machte sich als "Republik Korea" auf den beschwerlichen Weg Richtung Demokratie.
Doch der "Große Führer" (so der spätere, offizielle Titel) Kim Il Sung wollte das ganze Land: Nach "grünem Licht" von Stalin und Mao befahl er den Überraschungsangriff und am 25. Juni 1950 überschritten nordkoreanische Truppen die Demarkationslinie. Da die Sowjetunion den UN-Sicherheitsrat boykottierte, um eine Aufnahme Chinas zu erreichen, erreichte US-Präsident Truman schon am 27. Juni den Beschluss für die Entsendung einer UNO-Streitmacht, der neben US-Soldaten (ca. 50%) und der südkoreanischen Armee (40%) auch 15 weitere Nationen (zusammen 10%) angehörten. Es gelang ihnen, die Nordkoreaner zurück zu schlagen - als sie nun jedoch ihrerseits die Demarkationslinie überschritten, wurden sie selbst wiederum von chinesischen Truppen überrascht und zurück gedrängt. Bis heute besteht die Teilung - ziemlich genau entlang der ursprünglichen Demarkationslinie - fort.
Nordkorea: Eine atheistische Ideologie! Oder?
Im Norden festigte Kim Il Sung seine Herrschaft und entwickelte die sog. Juche-Ideologie (Juche für "Eigenständigkeit"), die er durch eine Schaukelpolitik zwischen den inzwischen zu Rivalen gewordenen China und der Sowjetunion absicherte. Mit brutalen Säuberungen wurden alle unabhängigen Gemeinschaften zerschlagen oder gleichgeschaltet - so auch alle Religionsgemeinschaften. Kommunismus und Atheismus wurden zur offiziellen Ideologie. Damit sich diese aber halten konnte, musste sie selbst quasi-religiöse Formen annehmen: Ein grandioser Personenkult setzte ein, der Kim Il Sung zu einer Quasi-Gottheit erhob. Die Planwirtschaft scheiterte und in den 90er Jahren setzten Hungersnöte ein, die mehrere Millionen Menschen das Leben kosteten. Dennoch: Als Kim Il Sung schließlich 1994 starb, wurde das Ereignis in den Staatsmedien so vermittelt:
Auch wurde der Verstorbene per Verfassung zum (unsterblichen) "Präsident auf Ewigkeit" ernannt - getreu dem Leitsatz "Nordkoreas Sonne ist unsterblich". Sein Sohn "Genosse Kim Jong Il" beeilte sich, das symbolische Vakuum einzunehmen und ließ sich als "Geliebter Führer" verehren. Hier ein Verehrungslied - "Ohne Dich kein Mutterland":
Aber dem Regime gelang es trotz (oder wegen?) seines atheistischen, rationalen und wissenschaftlichen Anspruches nicht, die (Plan-)Wirtschaft zu stabilisieren. Da die Sowjetunion - und damit ein unterstützender Partner - weggebrochen war, verschärfte sich die Lage. So ging das Regime dazu über, gegenüber dem zunehmend wohlhabenden Südkorea im Tausch gegen Güter und Lebensmittel einerseits Entspannung zu versprechen, andererseits aber auch immer wieder mit Krieg zu drohen. Auch den Torpedo-Angriff auf das südkoreanische Schiff "Cheonan", das die Länder wieder an den Rand der Gewalt führte, flankiert Nordkorea inzwischen wieder mit Verhandlunsangeboten. Die Gefahr, dass die Situation außer Kontrolle gerät und in einen Krieg umschlägt, ist dabei real.
Atheismus - Theismus und die fließenden Grenzen
Ist Nordkorea ein "atheistischer Staat"? Viele Atheisten bestreiten das: Es sei doch erkennbar, dass die Kommunisten in Nordkorea eine Art Quasi-Religion geschaffen hätten. Dagegen hat sich in Südkorea - in dem früher "fremde" Kulte verfolgt wurden - eine große Vielfalt an Religionen etabliert, darunter ein dynamisch wachsendes Christentum. Ob Nord- oder Südkoreaner: "Religiöse Bedürfnisse" sind beobachtbar und werden entweder freiheitlich-wettbewerblich, oder eben staatlich-politisch beantwortet. "Oben ohne" im (quasi-)religiösen Sinne scheint keine Gesellschaft auszukommen, nicht einmal eine atheistisch legitimierte Diktatur.
Eine "Überwindung" der Religionen - wie in Nordkorea - war bislang nur mit Gewalt möglich und führte nicht einmal dann zum Aussterben (quasi-)religiösen Verhaltens - in freiheitlichen Gesellschaften findet dagegen stets ein Miteinander aus Säkularisierung und religiös-demografischer Pluralisierung statt. Und so bleibt zu hoffen, dass auch die Nordkoreaner einmal Zugang zu ihren Menschenrechten - einschließlich der Religionsfreiheit - finden werden.
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...eine naive Frage stellen? Was genau ist eigentlich Religiosität?
"Ist Nordkorea ein "atheistischer Staat"? Viele Atheisten bestreiten das: Es sei doch erkennbar, dass die Kommunisten in Nordkorea eine Art Quasi-Religion geschaffen hätten."
Dem stimme ich zu. Die Verehrung (ob verordnet oder tatsächlich sei hier dahingestellt) und Unantastbarkeit des "grossen Führers", der "leuchtenden Sonne von weiss der Kuckuck was" entspricht nach meinem Verständnis nicht der Benennung und Beschreibung eines Menschen, sondern eines Erlösers, eines Messias. Oder käme in der BRD irgendjemandem in den Sinn, Frau Merkel als "leuchtenden Stern des Mutterlandes" oder als "weise und gütige Führerin des deutschen Volkes" zu bezeichnen ? :)
Charles Darwin bezeichnete Religiosität als "belief in supernatural beings", und heutige Definitionen finden wieder dahin zurück. Wenn Menschen mit Wesenheiten kommunizieren, deren Existenz nicht bewiesen werden kann (wie Ahnen, Geister, Engel, Götter, Gott) oder Wesenheiten übernatürliche Kräfte zuschreiben, lässt sich von Religiosität sprechen. Und es gibt keine Menschenpopulation, unter der nicht auch religiöses Verhalten zu beobachten wäre.
Ja, ich sehe es auch so. Menschen sind in unterschiedlichem Ausmaß religiös veranlagt und werden immer Anbetungsobjekte suchen. Diktaturen unterdrücken die Religionsfreiheit auch deswegen, um sich selbst zu Quasi-Gottheiten erheben zu lassen. Die quasi-religiösen Elemente (Rituale, Anrufungen, Dankesformeln, Allgegenwart durch Bilder etc.) in der Verehrung auch erklärter Atheisten wie Kim Il Sung und Kim Jong Il, aber auch z.B. Stalin, Mao, Atatürk u.v.m. lässt sich m.E. kaum leugnen. Unter den Bedingungen von Religionsfreiheit wird dagegen einerseits religiöse Vielfalt, aber auch ein Bereich aus Agnsotikern und Atheisten entstehen - also eine lebendige, kritisch-konstruktive Zivilgesellschaft.
Die Situation in Nordkorea hat sicher viel Ähnlichkeiten mit der Zeit in der Sowjetunion unter Stalin oder mit Kuba unter Fidel Castro. Die entsprechenden Führerpersonen hatten/haben Halbgottstatus und können nur deshalb eine so grosse Macht ausüben, weil sie vorgeben, nicht gewöhnliche Menschen zu sein und über übermenschliche Weisheit zu verfügen.
Nicht nur den USA und den Europäern - auch den Chinesen ist die Unmenschlichkeit dieses Regimes bewusst.
Es geht hier gar nicht um Atheismus oder Theismus, sondern um Humanismus. Religionen haben die menschliche Würde und die Rechte des Einzelnen noch nie sehr hoch geschätzt. Europa und die USA tun dies aber - als Folge der Befreiung des Individuums. China dagegen denkt noch in realpolitischen Kateogorien - wie seinerzeit Bismarck. Realpolitik bedeutet für China, alles unter Kontrolle zu halten, was seine vitalen Interessen betrifft. Wie schlecht es den Menschen in Nordkorea geht, kümmert die chinesische Führung nicht. Ihre einzige Sorge sind die Folgen einer Auflösung Nordkoreas für China. Und die Folgen könnten für China negativ sein . Deshalb kommt es der chinesischen Führung gelegen, dass die Situation in Nordkorea konserviert wird.
Die chinesische Führung ist atheistisch, aber nicht humanistisch. Atheismus ist nichts Gutes in sich und Religiosität ebenso wenig. Der Atheismus der Volsführer/Volskverführer ist nicht besser oder schlechter als die von Gott verliehene Autorität der selbsternannten Stellvertreter Gottes.
Die Absurdität dieses Systems zeigt sich gerade in der Form, in der es sich genau das, wofür es angeblich nicht steht, zu eigen macht.
Das System ist einerseits eine absolute Monarchie, andererseits eine Art Theokratie - egal, wie oft es von sich behauptet, kommunistisch zu sein und deswegen Feudalismus und Religion überwunden zu haben.
Parallelen lassen sich sicher zu Mao und Stalin ziehen, aber vor allem sehe ich die Analogie zur Antike, beispielsweise zur römischen Kaiserzeit und zum alten Ägypten. Insofern ist die nordkoreanische Diktatur noch nicht einmal modern.
Dass dies eine menschliche Veranlagung zur Religiosität belegt, müsste selbst erst bewiesen werden und erscheint mir ausgesprochen unplausibel.
Für viel wahrscheinlicher halte ich, dass die Tatsache, dass solche Formen der menschlichen Machtausübung (und auch die organisierte Religionsausübung gehört dazu) funktionieren und immer wieder mit Erfolg angewandt wurden, sich viel einfachere menschliche Wesenszüge zunutze machen: Beispielsweise die Bereitschaft zur Unterordnung, wie sie der Mensch als Herdentier zeigt, andere, nicht in hierarchischen Strukturen lebende Tiere dagegen nicht.
Südkorea ist übrigens die Nation mit der weltweit niedrigsten Geburtenrate, sagt diese Quelle:
http://www.koreatimes.co.kr/...0/04/113_45496.html
Laut diesen Zahlen ist Südkorea nicht an letzter Stelle, aber doch fast, verzeichnt aber dank hoher Lebenserwartung immer noch ein gewisses Bevölkerungswachstum. Nordkorea liegt in beiden Kategorien etwas vor Südkorea, aber im internationalen vergleich weit hinten.
https://www.cia.gov/library/publicati
ons/the-world-factbook/rankorder/2054rank.html?countryName=Korea,%20North&countryCode=kn®ionCode=eas&rank=141#kn
Inwiefern folgte denn aus dem staatlich verordneten Atheismus die desaströse gesellschaftliche Situation in Nordkorea? Eine Wirkungsbeziehung, die über ein cum hoc ergo propter hoc hinaus gehen würde, scheinen Sie mir in diesem Artikel nicht dargelegt zu haben.
Die Unterscheidung in ein "atheistisch-kommunistisches" und ein "christlich-demokratisches" System erscheint mir künstlich. Insofern der Kommunismus nicht nur mit dem Atheismus, sondern auch mit dem Monismus und dem Determinismus verknüpft ist, könnte man genauso gut von einem "monistisch-kommunistischen" oder einem "deterministisch-kommunistischen" System sprechen - und spätestens dann bemerken, dass weder der Atheismus noch der Monismus oder der Determinismus eine politische Ideologie, sondern lediglich eine philosophische Position darstellen.
"Christlich" und "demokratisch" in einem Atemzug zu nennen, ist zudem irreführend, da es eine christliche Vereinnahmung der Demokratie darstellt. Historisch sind die christlichen Kirchen nun aber nachweislich die größten Feinde der Demokratie und des Rechtsstaates gewesen - jedes einzelne Freiheitsrecht musste erst gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erkämpft werden.
Nun, erst einmal zeige ich nur auf, dass die staatliche Unterdrückung gewachsener Religionen bislang ausnahmslos mit einer "Vergottung" des politischen Personals einhergeht. Dass dies auch politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich ins Desaster führt, finde ich nicht allzu schwer verständlich.
Nun, hier interessiert natürlich vor allem die religiöse Dimension: Der Kommunismus unterdrückt gewachsene Religionen mit einem dezidiert atheistisch-wissenschaftlichen Anspruch - und setzt sich bzw. sein politisches Personal dann an deren Stelle. In Südkorea hat sich dagegen Religionsfreiheit durchgesetzt, eine allgemeine "Vergottung" der Politiker hat nicht stattgefunden.
Und zu Christentum und Demokratie: Ich finde es etwas seltsam, dass Du das Christentum offenkundig fast nur institutionell (und dann auch noch verkürzt) wahrnimmst. Fakt ist: Die Idee der Demokratie stammt aus dem polytheistischen Griechenland, in Europa wurde sie maßgeblich von Christen (meist gegen andere Christen) durchgesetzt. Dies gelang sowohl von Basisbewegungen aus (z.B. Schweiz), unter der Ägide von Staatskirchen (z.B. Großbritannien oder Schweden) und auch in der christlich grundierten Trennung von Kirchen und Staat (z.B. USA). Auch andere Religionen, z.B. der Hinduismus, haben die Demokratie aufgreifen können, vgl.
http://www.chronologs.de/...n-thema-des-hinduismus
Selbstverständlich können auch Atheisten Demokraten sein - und viele sind es -, mangels Kindern konnten sie nur nirgendwo auf friedlichem Wege zur Mehrheit aufsteigen, vgl.
http://www.chronologs.de/...en-reproduktionserfolg
Wo der Atheismus (zeitweise) zur Staatsideologie wurde, geschah es also immer und ausnahmslos mit Abschaffung der Religionsfreiheit und blutigem Zwang: So in der Sowjetunion, in China, Nordkorea, dem "Regime de Terreur" in Frankreich usw. Wie Scott Atran zu Recht bemerkte: Nachhaltige Zivilisationen konnte und kann der Atheismus bislang nie begründen, vgl.
http://www.chronologs.de/...ie-null-das-gewachsene
Natürlich könntest Du das alles ganz leicht widerlegen, indem Du uns einfach ein paar Beispiele über Generationen hinweg erfolgreicher, demokratisch-atheistischer Gesellschaften benennen könntest. Genug Zeit war ja - immerhin gibt es atheistische Formulierungen schon in der griechischen und indischen Antike...
Der Tiefenpsychologe und Mythenforscher C.G.Jung hat über der Eingangstür seiner Villa in Küsnacht folgenden Spruch einmeisseln lassen: "Vocatus atque non vocatus, Deus aderit." (Ob gerufen oder nicht, Gott wird da sein)
Eine tiefe Einsicht in die Grundausstattung des Menschen, der eine (verehrende) Verbindung zu tranzendenten Mächten und Bildern zu brauchen scheint wie die Luft zum Atmen und das Brot zum Essen. Daraus erklären sich Religionen, aber auch Ersatzreligionen, moderne Kino-Mythen, der Kultstatus von Pop-Stars, Politikern und Sportlern etc. Transzendenz kann hier einfach nur erstmal "Überhöhung" meinen. Scheinbar ist uns das "Faktische", "Zählbare", "Sichtbare" nicht genug, wir müssen alles überhöhen (übrigens auch in der Liebe). Interessant wäre die Frage warum und welche Formen dieses unausrottbaren Überhöhungstriebes uns weiterbringen und welche nicht.
Zum Teil stimmt es, was Du da behauptest, aber es ist nur die halbe Wahrheit und die Wahrheit gibt es nur als Ganzes.
Nehmen wir die Reformation. Da wurde ein (oder auch mehrere) Freiheitsrecht von der Kirche erkämpft. Und wer hat sich das erkämpft? Die Reformationsbewegung, die von der Bibel inspiriert zurück zum Ursprung wollte. Engagierte Christen, die der von Lehre Jesus Christus folgten und der Lehre der Katholischen Kirche. Und das beinhaltet auch die Trennung von Kirche und Staat (gebt des Kaisers, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist). Das war der Boden auf dem die Aufklärung gedeihen konnte.
Selbstverständlich mischten da auch ein paar Landesfürsten mit, denen es in erster Linie um politische Macht ging, aber Unkraut wächst nunmal auf jedem Acker.
"gebt des Kaisers, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist"
Diesen Spruch benutze mal ein Pfarrer in der DDR, um den Dienst an der innerdeutschen Grenze zu banalisieren. Ich fürchte, daß der Mann aus Nazareth da ziemlich mißverstanden wird. So unpolitisch war der nämlich nicht. Die Juden hätten das Geld gar nicht annehmen dürfen, da es gotteslästerlich war, den römischen Kaiser mit Gott gleichzusetzen (Bild und Aufschrift der Münze). Er zog sich mit diesem Satz intelligent aus der Affäre. Der Zusammenhang war nämlich eine Falle: Steuern zahlen ja oder nein. Hätte er einfach nein gesagt, so wäre er als Aufwiegler gegen die römische Besatzung dagestanden. Bei einem Ja hätten die Juden ihm Gotteslästerung vorgeworfen.
Während des zweiten Weltkrieges war Korea von japanischen Truppen besetzt.
Das gibt die historische Realität nun nicht richtig wieder. Vielmehr war die koreanische Halbinsel bereits seit 1905 von Japan besetzt (nämlich seit dem japanisch-russischen Krieg, dem ersten Krieg der Neuzeit, in dem eine europäische Großmacht von einem asiatischen Land militärisch besiegt wurde) und seit 1910 offiziell annektiert.
http://en.wikipedia.org/...rea_under_Japanese_rule
Was die "Vergottung" Kim Il Sungs angeht, so sagt dieses Bild von nordkoreanischen Bürgern vor der Statue Kims dazu mehr als Tausend Worte:
http://www.street-papers.org/...-statueRTX4BPO.jpg
Alles an diesem Mann ist geplante Selbstdarstellung, angefangen beim Namen, in chinesischen Schriftzeichen Ñå.
Der Nachname "Kim" ist ein gebräuchlicher koreanischer Nachname, das Zeichen Ñ ist das chinesiche Zeichen für Gold. Der Vorname "Il Sung" ist nicht sein wirklicher Vorname; er hat ihn erst während seiner politischen Karriere angenommen. Die chinesischen Schriftzeichen å bedeuten "wird zur Sonne". Es geht doch nichts über ein gesundes Sendungsbewusstsein.
Die Schriftzeichen des Vonamens seines Sohnes und jetzigen Throninhabers Kim Jong-Il (Ñcå) bedeuten Kim "richtige-Sonne". Das ist nun wirklich schon schwer zu toppen.
Noch eine Anmerkung:
Was aber die Realität des Alltagslebens in Nordkorea angeht, insbesondere der dortigen Versorgungssituation - da wäre ich sehr vorsichtig mit jeglicher kritikloser Übernahme westlicher Darstellungen, gerade solcher südkoreanischen oder US-amerikanischen Ursprungs. Ebenso vorsichtig sollte man natürlich mit der Darstellung nordkoreanischer Provenienz sein.
In der festgefahrenen und verkrusteten Situation ist reine Propaganda von tatsächlichem Wahrheitsgehalt nur mehr schwer zu trennen. Ich erinnere mal an so manche Darstellung des DDR-Alltags in westdeutschen Medien der 60er und 70er Jahre.
Sicher war die DDR ganz und gar kein ideales Land. Aber war die Übertreibung und Einseitigkeit, mit der sie von offizieller westdeutscher Seite aus dargestellt wurde, wirklich immer gerechtfertigt? War sie hilfreich?
Die Situation zwischen Südkorea und Nordkorea ist, verglichen mit der alten Bundesrepublik und der DDR, noch um ein Vielfaches verhärteter, deswegen sollte man um ein Vielfaches vorsichtiger mit jedwelchen Berichten und Darstellungen umgehen.
Wie ich sehe, sind die chinesischen Schriftzeichen in meinem vorherigen Kommentag nicht lesbar.
Ich versuche es noch einmal:
Kim Il-Sung: Ñå
Kim Jong-Il: Ñcå
Sie bleiben also sogar beim "cum hoc" stehen und deklarieren die Folgen als offensichtlich wahr. Das wirkt nicht wirklich überzeugend.
Die Wiege der Demokratie mag im antiken Griechenland stehen. Doch der erste demokratische Staat waren die Vereinigten Staaten von Amerika. Und die USA sind ein säkularer und kein christlicher Staat. Nirgends kommt dies so klar zum Ausdruck wie in Artikel 11 des "Treaty of Tripolis" von 1796, in dem es unmissverständlich heißt: "The Government of the United States of America is not, in any sense, founded on the Christian religion."
Dass die strikte Trennung von Staat und Kirche "christlich grundiert" sei, ist ebenfalls irreführend. Auch wenn es immer einige christliche Sekten gegeben haben mag, die sich aufgrund ihrer Benachteiligung eine Trennung von Staat und Kirche wünschten, stammt dieser Gedanke doch nachweislich von John Locke, Charles Montesquieu und David Hume. Unter dem Enfluss von Thomas Paine und Thomas Jefferson fand die Trennung von Staat und Kirche Eingang in die amerikanische Verfassung.
"Selbstverständlich können auch Atheisten Demokraten sein." Nun, das versteht sich ja wohl von selbst. Schließlich leugnen Atheisten nicht die Rechte der Menschen, sondern die Existenz von Göttern.
Mit viel größerem Recht muss an fragen: Können Christen eigentlich Demokraten sein? Wie wir wissen, können sie es. Die Frage ist nur: Dürfen sie es? Müssten sie nicht eigentlich Verteidiger eines "Gottesstaates" sein, in dem sich - wie teilweise im Iran - alle moralischen und rechtlichen Gebote einzig und allein am "Willen Gottes" zu orientieren haben?